Der Kamerad

C Conrad Ferdinand Meyer
0 Altın Yaprak
Mit dem Tode schloß ich Kameradschaft. Ueber einem vollen Humpen saßen Oft wir nächtens und philosophirten. Auch zusammen gingen wir spaziren, Lauschten mit elegischen Gefühlen Nach dem Pilgerruf der Abendglocke. Aber männlich auch an meiner Seite Stand der Kamerad und secundirte, Oder wann ich im Gebirg verirrt war, Hangend über schwindelnd tiefem Abgrund, Sprach er: Blick mir in das Auge ruhig Und ich that es und ich war gerettet – Lange standen wir auf gutem Fuße, Bis mich volles Leben überströmte Glühend warm mit unbekannter Fülle, Und mir schauderte vor meinem Freunde … Als das Liebchen heute mir am Hals hing, Ueber seine Schulter weg erblickt’ ich Meines Kameraden leichten Umriß Auf dem Abendhimmel und er grollte: „Bin ich dir verleidet? Deine feigen Lippen meiden meinen schlichten Namen? Ist das hübsch von einem Kameraden?“ In demselben Augenblick umarmte Liebchen mich und rief: „So möcht’ ich sterben! Komme, Tod, und raub’ mich, Tod, im Kusse!“ Und der Tod, von schwellend jungen Lippen Heiß und leidenschaftlich angerufen, Hörte seinen Namen mit Vergnügen. Ueber sein geheimnißvolles Antlitz Glitt ein Leuchten und er schied in Minne.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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