Die Ketzerin

C Conrad Ferdinand Meyer
0 Altın Yaprak
Fra Dolcin, der Ketzer, der von Dante In der Hölle neunten Kreis Gebannte, Hat ein Weib geliebt, von dem sie sagen, Daß kein schön’res lebt’ in jenen Tagen. Kamen seine Jünger ihn zu grüßen, Saß die Blonde schon zu seinen Füßen, Segnet’ er das Volk mit frevler Rechten, Neigte sie zuerst die goldnen Flechten; Dem Verfehmten folgte sie, dem Flieh’nden, Durch die Schluchten des Gebirges Zieh’nden – Da er von den Schergen ward gefangen, Ist sie seinen Fesseln nachgegangen; Wo er in der Flamme sich gewunden, Steht auch sie am Marterpfahl gebunden. Lieblich ist, die Fra Dolcin verführte, Wie noch nie ein Weib die Herzen rührte; Augen, unergründlich wunderbare, Schaun, als ob sie zu den Sel’gen fahre. Die sie richten, fragen sich mit Grauen: Kann die Hölle wie der Himmel schauen? Und es zittern vor dem unschuldvollen Engelsantlitz, die sie martern wollen. Selbst der Priester spricht mit ihr gelinde, Als mit einem irrgegangnen Kinde: „Schwaches Weib, der dich verleitet hatte, Weder Bruder war er dir noch Gatte! Seine Asche treibt im Wind! Verflogen Sind die Stapfen, die dich nachgezogen! Büße! Folge reuig den Geboten Unsrer heil’gen Kirche! Laß den Todten!“ In den Banden kann sich nicht bewegen Margherita, nur die Lippen regen: „Leiden muß ich, was Dolcin gelitten … Horch, er ruft! Ich folge seinen Schritten“ – Und die warmen, tiefen Blicke strahlen – „Durch die Martern folg’ ich, durch die Qualen!“ – „Ketzerin, dich stärken finstre Mächte! Brände her!“ … Es rühren sich die Knechte. Siehe da! Wie eines Blitzes Leuchten Färt ein Ritter unter die Gescheuchten, Will den schönen Dämon sich erstreiten; Er bemächtigt sich der Maledeiten, Ihre Kniee fasst er mit der Linken, In der Rechten droht des Schwertes Blinken: „Tretet aus die Glut! Bei Gottes Leibe, Löscht die Fackeln! Weg von meinem Weibe! Sage Ja … mit einem Wink der Lider … Und vom Scheiterhaufen steigst du nieder! Keiner wird auf meiner Burg es wagen, Dich um deinen Glauben zu befragen!“ – „Laß mich ziehn! … Ich darf mich nicht verweilen … Horch, Dolcino ruft! … Ich muß mich eilen … Gieb mich frei!“ Er weicht mit einem herben Hohngelächter: „Mag die Thörin sterben!“ Ueber ihrem blonden Haupt zusammen Schlagen Todesflammen, Liebesflammen.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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