Enttäuschung (Wedekind)

F Frank Wedekind
0 Altın Yaprak
I. Trübe Stunden schleichen sachte Durch die stille Seele mir; Glück, das ich zu haschen dachte, Wie so ferne bin ich dir! Mühsam schleppt sich meine Feder Über ein zerknicktes Blatt, Leis’ bewimmernd, was ein Jeder Einmal zu verschmerzen hat. Wenn den alten Mut ich fände, Fänd’ ich auch die alte Kraft – Ach, die wundgestraften Hände Sind auf lange Zeit erschlafft. II. Einst lag ich ausgestreckt in wachem Traum, Ermüdet von der Arbeit langer Nächte, Da frug ein Kuckucksruf aus hohem Baum, Was sich das junge Herz wohl wünschen möchte. Der Frage war die Antwort rasch bereit, Nun durfte nichts mir die Erfüllung rauben, Und eine unermeßne Seligkeit Erwuchs mir aus dem frommen Kinderglauben. Des Lebens Sommer ist derweil verblüht Und Hoffnung sah um Hoffnung ich zerrinnen; Aus meinem grellerleuchteten Gemüt Schlich auch beschämt ein dunkler Wahn von hinnen. In diesen Zeilen fand er Unterkunft; Hier liegt er für des Lebens Rest begraben. So wird der Mensch ein Krösus an Vernunft Und, ach, wie bettelarm durch ihre Gaben!

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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