Die Mutter ist todt

F Friedrich Mook
0 Altın Yaprak
Wie vor der Königin am Trau-Altar Die Fürstenfraun in Huldigung sich neigen, Gehüllt in Demantschleier wunderbar, So naht der Tag – die letzten Sterne bleichen. Ein Teppich breitet sich; die Farben heben Aus Purpurroth und azurblauem Licht Sich rasch empor, um wechselvoll zu schweben Wie Strahlenbündel, die ein Prisma bricht. Ich staune nicht – was soll mir Morgenroth? Die Mutter ist todt! Die Nacht war lang; feucht ist der gelbe Sand; In Nubiens Felsgestein fiel manche Thräne; Die Flinte hält mechanisch meine Hand – Sie lauert nicht auf Schakal und Hyäne. Des Südens Kreuz ging auf, und viele Sterne; Sie nahten, schwanden wie ein Traumgebild, Indeß die Sehnsucht irrt in weite Ferne Und sucht das Mutteraug’, so treu lind mild – Der Stern erlosch, der alles Licht mir bot: Die Mutter ist todt! Es schweift mein Blick zurück in alte Zeit: Wie Vieles, was ich fand, hab’ ich verloren! Ich sucht’ ein treues Herz, doch keine Maid Hielt mir den Treuschwur, den sie mir geschworen. Vereinsamt mußt ich meine Kraft erproben; Unglück und Noth war mir der beste Freund. Wenn in der Noth die Freunde mir zerstoben. Bei Gott! ich habe nie darum geweint. Was liegt mir an Enttäuschung, Unglück, Noth? Die Mutter ist todt!

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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