Niágara

F Friedrich von Bodenstedt
0 Altın Yaprak
Von Friedrich Bodenstedt. Trüb war der Himmel, als ich zuerst dich sah In deiner wilden Größe, Niágara. Wie fernes Donnern schlug mir dein Schall in’s Ohr, Als mein Blick sich im Suchen nach dir verlor Im flachen, verödeten Wintergefilde, Verdüstert durch bleierne Wolkengebilde … Doch näher und näher stets hört’ ich es schallen, Wie wenn Wasserberge an Felsen zerprallen, Im unendlichen Meer vom Orkane gehoben. Mit unsichtbaren Händen geschleudert nach oben. Da plötzlich erhebt sich vor mir ein Geflimmer Von versprühendem Schaum, der in eigenem Schimmer Aus der Tiefe aufsteigt und ein Wolkengewimmel Erzeugt, weit glänzender noch als das am Himmel. Und ich folge dem Glanz, und jählings thut Sich ein Abgrund auf voll demantener Gluth, Wo die mächtig stürzenden Wasser von oben Tiefunten zerstieben mit donnerndem Toben. Da wühlt es und bäumt sich und wirbelt und gährt In verwirrender Wuth, doch lieblich verklärt Durch verschleiernd Gewölk aus versprühendem Schaum, Das sich schimmernd erhebt, leicht schwebend wie Flaum. Nun, als trüg’ er dem Glanze der Tiefe Neid, Zerreißt auch der Himmel sein Wolkenkleid, Und die Sonne gießt ihre ganze Gluth Hinab in die tosende Wasserfluth, Um in schwindenden Bildern noch Schön’res zu zeigen, Als an ewigem Glanze ihr selber zu eigen. Die Sturzfluthen trinken den sonnigen Glanz Und strahlen ihn wieder, gesättigt ganz. Und wie Künstler mit gottverlieh’nen Gewalten Aus sich selbst die erhabensten Bilder gestalten, So scheint nun in des Niágara Borden Jede Welle, jeder Tropfen zum Künstler geworden, Und Schöneres kommt durch sie an den Tag, Als menschliches Schaffen zu bilden vermag. Die Wogen glühen, von Schönheit trunken, Aus den Schaumkronen springen blitzende Funken; Es leuchtet in allen Formen und Farben. Hier erheben sich schimmernde Strahlengarben; Dort, über die Irisinsel gezogen, Schwebt hoch ein durchsichtiger Regenbogen, Und darunter die Felswand stemmt auf den Wegen Des gewaltigen Stroms sich ihm breit entgegen, Daß die Wasser getheilt das Eiland umwinden, Bis sie unten sich wieder zusammenfinden Nach tiefem Sprung von getrenntem Hang In donnerndem Triumphgesang. Nie erschien mir ein Strombild an Wundern so reich, So stürmisch im Wechsel, doch immer sich gleich In bezaubernder Macht urgewaltigen Seins Und hehrer Gebilde des Schalles und Scheins. Trüb war der Himmel, als ich zuerst dich sah In deiner wilden Größe, Niágara, Und die Sonne war schon im Untergehn, Als ich kam, dich zum letzten Male zu sehn. Und du hießest mich, selbst tief hinunterzusteigen, Um dich mir in voller Größe zu zeigen Im tiefen, gewundenen Felsenbette. Dich umragt keine schimmernde Bergeskette; Deine Ufer sind flach und öde ganz, Doch du brauchst keines prangenden Rahmens Glanz: Deine eigene Gluth, deiner Wellen Klang Wird mir leuchten und klingen mein Lebenlang.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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