Gerda

G Gottfried Kinkel
0 Altın Yaprak
„und soll ich sagen: Wärst du nie geboren! dann wühlte heute nicht so tief das Leid – Nein, süßes Kind! Du bleibst mir unverloren auf alle Zeit!” Durch des Fensterladens Spalte Bricht des Morgens grauer Schein, Wo am Bettchen Wacht ich halte Bei dem kranken Töchterlein. Und die Angst fragt, ob am Ende Dieses Tags ihr Herzchen bricht? Oder ob sich aufwärts wende Neu der Pfad zum holden Licht? Aus der Feigheit, die zum bösen Götzendienst des Nichts dich dringt, Kann, wie bald, ein Kind dich lösen, Wenn es bang ums Leben ringt. Wieder glänzt in wachem Traume Jede Frucht dir süß und voll – Ach, daß sie vom Lebensbaume Nie ihr Händchen brechen soll! Wenn die Bahn von dünnem Eise Unterm Stahlschuh klagend singt, Ob wohl noch ihr Blut die Kreise Heiß durchs Herz des Mädchens schwingt? Wenn der Lenzwind küßt die Rose, Die noch schüchtern vor ihm flieht, Ob der Traum vom eig’nen Lose Durch die zarte Seele zieht? Wenn beim Fall der Blüthenflocken Wogt das Saatfeld grün und dicht, Ob sie dann durch blonde Locken Den Cyanenkranz sich flicht? Herbst im Schmuck von goldnem Laube! Ob, ein weißes Tuch im Haar, Sie noch schneiden wird die Traube, Jauchzend in der Winzer Schar? Auch die höchste Liebesstunde Wird vielleicht ihr noch beschert: Erster Kuß vom trauten Munde, Der allein des Lebens werth! Was dir selbst am Reiz des Lebens In der müden Hand zerrinnt, Wie so werth als Ziel des Strebens Scheint es heut dir für dem Kind! Aus dem schwülen Krankenzimmer, Aus dem Dunkel, halb erhellt Von des Nachtlichts mattem Flimmer, O wie farbig strahlt die Welt! ________ Der Erde bunte Schöne Hüllt sanft sich dir in Flor, Der Straßen rauhe Töne Vernimmt nur leis dein Ohr. Will dich ein Lüftchen fächeln, Dir ist’s nicht mehr Genuß, Es schwand dein süßes Lächeln Selbst bei der Mutter Kuß. Du nimmst mit dürren Lippen Vom Arzt den bittern Trank – Vom süßen Wein zu nippen Wardst du schon lang zu krank. Die heiße Lust am Leben Ward in den Adern still, Und du fügst dich ergeben, Wie dein Geschick es will. Du bist von uns geschieden, Eh noch der Tod dich nahm – Du lösest dich in Frieden, Und uns zerreißt der Gram. ________ Den Myrthenkranz ums Haupt, im Blumenfülle Ruhst Lilie du im weißen Mädchenkleid, Und leis entfärbt sich schon die zarte Hülle, Dem unerbittlichen Zerfall geweiht! O könnt’ ich nur dich vor dem Moder retten, Der langsam und entstellend dich verzehrt, Und dürft ich dich, solang du schön noch, betten Mit Vaterarmen auf den Flammenherd! Die Gluthen lösten rasch die jungen Glieder, Du stiegst, ein Wölkchen, auf zu Licht und Luft, Du schwebtest bald auf Wald und Wiesen nieder Und hauchtest neu in junger Blumen Duft. In kleiner Urne könnten wir vereinen, Was dann als Erdenstaub von dir noch blieb – Auf reine Asche fromme Thränen weinen, Für Vater und für Mutter, o wie lieb! Umsonst! Du sollt nicht frei zum Aether lodern, Gereinigt von der heil’gen Flamme Schwall! Dein Los ist, in dem feuchten Grund zu modern, Und spät erst kehrst du wieder in das All! ________

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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