Des Arztes Traum
J Justinus Kerner
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Altın Yaprak
Was mir ein Arzt erzählte
Von einem Traume bang,
Ich euch zum Lied erwählte,
Hört freundlich den Gesang!
Er sprach: ich denk mit Schauern
Stets an den tollen Traum;
In eines Kirchhofs Mauern
Saß ich an einem Baum.
Kein goldner Vollmond schiffte
Durch’s stille Rebenthal,
Es zuckte durch die Lüfte
Entfernter Blitze Strahl.
Ich aber saß beklommen,
Als drohte noch was mehr,
Sprach: wie bin ich gekommen
Um Mitternacht hieher?
Ich seufzte und ich grollte,
Da hör’ ich dumpfes Schall’n
Als ob die Erd’ entrollte
Den Grabeshügeln all’n
Der Mond aus Wolkenbergen
Auf einmal strahlend bricht,
Da seh’ ich, wie aus Särgen
Steigt Leich an Leiche dicht.
Die lenken ihre Schritte
Gerade auf mich zu,
Ich aber rief: ich bitte,
Ihr Todten! kehrt zur Ruh!
Schnell will ich mich erheben,
Gebannt blieb ich am Baum,
Die Leichen zu mir schweben. –
O nie vergess’ner Traum!
Die erste wie im Grimme
Hebt auf die schwarze Hand,
Und spricht mit hohler Stimme:
Mein Tod war heißer Brand,
Du aber hast gestecket
Moschus in mich hinein,
Die Gluth noch mehr gewecket,
Der Tod half mir allein.
D’rauf mit den Knochenhänden
Die zweite weis’t auf’s Herz:
Und spricht: so mußt’ ich enden
Hier innen saß mein Schmerz.
Du aber gabst mir Pillen
Und Tränke für die Brust,
Mein Leiden hat zu stillen
Allein der Tod gewußt.
Die dritte kommt geschritten
Und streckt mir hin ihr Bein:
Hätt’st du dieß abgeschnitten,
Würd’ ich noch lebend sein.
Doch du auf meine Klagen
Sprachst: Jod und Leberthran
Heilt dich in wenig Tagen, –
Der Tod nur hat’s gethan.
Die vierte mit dem Kopfe
Stets nickte hin und her:
Wie war mir armen Tropfe
Im Leben der so schwer!
Hätt’st Wasser mir gegeben
Statt China immerdar,
So wär’ ich noch am Leben –
Der Tod mein Helfer war.
Jetzt kommt die fünfte Leiche
An Krücken zu auf mich.
Ich kenne sie, rief: weiche!
Die Erde decke dich!
Fort! fort! sie deck’ euch alle
Ihr Todten! fort vom Licht!
Da ruft’s mit grellem Schalle:
Arzt! mit dir in’s Gericht!
Nun kommt der Tod gegangen:
Die Leichen singen: „Tod!
Mit Kränzen sei umfangen.
Du Retter aus der Noth!
Preis Arzt dir, der gefunden
Den Balsam Grabesruh;
Du bandest unsre Wunden
Sanft mit dem Sargtuch zu.“
Und jetzt an mir vorüber
Schwebt Tod und Leichenchor,
Schnell wird der Himmel trüber,
Das Mondlicht sich verlor,
Zum Baum, wo meine Stätte.
Ein Blitzstrahl niederkracht,
Davon bin ich im Bette
Vom tollen Traum erwacht.
Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv
Bu şiiri puanla
Henüz puan verilmemiş