Kartengruß aus dem Engadin

K Kurt Tucholsky
0 Altın Yaprak
Kartengruß aus dem Engadin von Theobald Tiger Unten im weißen Nietzsche-Haus geht Ludwig Fulda ein und aus und ein und aus. Wegen congenial. Drum herum wallen und ziehn Menschenbrocken, ausgespien aus Berlin. Herr Wendriner, Frau Wendriner. Lauter ringfeine Smoking-Berliner. Wenn sie durch die Landschaft gehn, wird ihnen hintenrum so mondain. Sie machen mit den Kellnern Krach, sie sind wie im Geschäft: überwach. Der Fexgletscher leuchtet in eisiger Ruh – ihr Gesicht sagt: Das steht mir nämlich zu. Ich hab es bestellt. Ich hab es bezahlt. Für mich ist der Zauber hier aufgemalt. Nachts unter den ewigen Sternen werden sie in grauen Kasernen untergebracht. Da, in den Riesenhotels, schlummern die großen Frauen voll Schmelz selig im Arm der Liebe. Na, Arm … Die Leipziger Straße hat ihren Charme hier hinaufgeschickt in sauerster Süße … Du guter Leser – herzliche Postkartengrüße! Hier gletschern die Gletscher. Der Fexbach rauscht. Die Sonne brennt. Das Zeltdach bauscht sich im heißen Mittagswind. Ein Kindlein pflückt bunte Blumen lind. Da sitzt Theobald und fühlt innerlich: Und wer pflückt mich?

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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