Monolog mit Chören

K Kurt Tucholsky
0 Altın Yaprak
Monolog mit Chören Ich bin so menschenmüde und wie ohne Haut. Die andern mag ich nicht – sie tun mir wehe. Wenn ich nur fremde Menschen sehe, lauf ich davon – wie sind sie derb und laut! Ich bin so müde und wie ohne Haut! (Chor der Arbeitslosen): Das ist ja hervorragend interessant, Herr Tiger! Ich spinn mich selig in die Schönheit ein. Schönheit ist Einsamkeit. Ein stiller Morgen im feuchten Park, allein und ohne Sorgen, durchs Blattgrün schimmert eine Mauer, grau im Stein. Ich spinn mich selig in die Schönheit ein … (Chor der Proletariermütter): Wir wüßten nicht, was uns mehr zu Herzen ginge, Herr Tiger! Ich dichte leis und sachte vor mich hin. Wie fein analysier ich Seelenfäden, zart psychologisch schildere ich jeden und leg in die Nuance letzten Sinn … (Chor der Tuberkulösen): Sie glauben nicht, wie wohl Sie uns damit tun, Herr Tiger! Ich dichte leis und sachte vor mich hin … (Alle Chöre): Wir haben keine Zeit, Nuancen zu betrachten! Wir müssen in muffigen Löchern und Gasröhren übernachten! Wir haben keine Lust, zu warten und immer zu warten! Unsre Not schafft erst deine Einsamkeit, deine Stille und deinen Garten!

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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