König Salomon und der Sperling

R Rudolf Baumbach
0 Altın Yaprak
Einst stand der König Salomon Am Fenster früh um Sechse schon Und sah mit Stolz und Herzensfreude Auf seines Tempels Prachtgebäude, Das er mit Weisheit und Bedacht Erst kürzlich unter Dach gebracht. Nun lag es da im Sonnenschein Hell wie ein großer Edelstein. Da nahm des Königs Auge wahr Hoch auf dem Dach ein Sperlingspaar, Das zwitschernd flog und liebesfroh Sein Nestlein flocht aus Heu und Stroh. Und da der Weise, wie bekannt, Die Vogelsprache gut verstand, Vernahm er, wie der Sperlingsmann Zu seiner Hausfrau so begann: „Was meinst du,“ sprach der Meister Spatz Und blähte seinen Busenlatz, „Wenn ich gebrauchend meine Stärke Zerstören thät’ des Königs Werke? Ein Tritt von mir – Geliebte, glaube – Und dieser Tempel liegt im Staube.“ „Du Prahlhans!“ lachte Salomon Und rief den Spatz vor seinen Thron Und sprach: „Denkst du, armselig Ding, Von meinem Tempel so gering, Daß du zu stürzen dich getraut, Was tausend Hände aufgebaut?“ „Verzeiht mir,“ sprach der Spatz dagegen, „Ich that’s nur meines Weibes wegen, Auf daß, die mich zum Herrn gewann, Respect bekommt vor ihrem Mann.“ Da lachte König Salomon Und neigte sich von seinem Thron Dem Sperling zu. – „Zeuch heim, du Wicht! So unrecht hast du eben nicht. Was doch ein grundgelehrter Mann Von einem Sperling lernen kann!“ Er sprach’s und ging mit festem Schritt Zur Königin, Frau Sulamith. Rudolf Baumbach.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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