Spätes Ehestandsglück

T Theodor Fontane
0 Altın Yaprak
Neben mir an, ein Mann im Staat Wohnt ein alter Geheimerath. Er hat, nachdem er durch Stürme gesteuert, Mit 60 noch eine Wittwe geheuert, Wirthin und Plättfrau war sie gewesen, Die hat er klug sich auserlesen; Es geht nun schon ins dritte Jahr, – Nie zuvor er so glücklich war. Briefe zu Neujahr will heut er schreiben. Eisblumen blühen ihm an den Scheiben, Draußen ein helles Sylvesterwetter, Und er schreibt in Cursivschrift: „Lieber Vetter, Du hast Dich, gleich mir, aus Wellen und Wogen Der „höhren Justiz“ zurückgezogen, Von Deinem Königsstuhle zu Rhense Zogst Du nach Treptow an der Tollense, Hinter Dir liegt die Welt des Scheins Und so fehlt Deinem Glücke nur noch eins: Nimm auch ein Weib (aber von den gelinden, In Treptow wirst Du dergleichen finden). Ich bin Dir in solchem Unterfangen Mit gutem Beispiel vorangegangen. Und glaube mir, – kann ich doch jetzt vergleichen, – Man siegt nur noch in diesem Zeichen. Gestatte mir, Dir ein Bild zu geben Von meinem frühren und jetzigen Leben. Ich hielt es aufrichtig mit Schelling und Hegel, Jetzt bin ich für Pankow, Schönhausen, Tegel, Ich hielt es früher mit Wieland und Herder, Jetzt bin ich für Sacrow und Pichelswerder, Sonst macht’ ich vor Goethe die tiefsten Diener, Jetzt bin ich für Putlitz, Moser, Lubliner. O lern’ auch Du hinter derlei Sachen Ein großes Fragezeichen machen Und empfang’ am Tage der Grogs und Pünsche Zunächst meine herzlichsten Neujahrswünsche, Dazu den Zuruf, der immer frommt: „Isolan, Ihr kommt spät, jedoch Ihr kommt.“

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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