Am alten Schloß

E Ernst Ziel
0 Altın Yaprak
Jung trag’ ich es noch in den Sinnen, 0 Ob grau mir der Bart auch sproß – Mit Brücken und Erkern und Zinnen 0 Das gartenumduftete Schloß. In den Hallen die Wappenschilder, 0 In den Sälen manch prunkender Schrein, Der Satyr, die Götterbilder 0 Im quellendurchrieselten Hain! Wo Sphinx und Marmorsibylle 0 Sich spiegeln am rauschenden Wehr, Da kam in des Abends Hülle 0 Mein schlankes Mädchen daher. Ich wollte, ich’ wäre gestorben, 0 Als heiß mich ihr Odem umfloß – – Mein Mädchen, das ist verdorben; 0 In Trümmern liegt das Schloß. Und Satyr und Sphinx und Sibylle 0 Umwuchert nun Epheu und Moos; Darüber schläft heimliche Stille, 0 Schwermüthig und schweigend und groß. Die rieselnden Quellen verronnen, 0 Verödet der Gärten Kranz – Im Hofe der gothische Bronnen 0 Verlernte sein Plätschern ganz. Ein Dornbusch steht daneben; 0 Dran hangen, so weiß wie Schnee, Unter knospenden Rankengeweben 0 Die wilden Rosen wie eh’. Ich pflück’ aus dem Knospengetriebe 0 Eine Rose vom schwanken Zweig – Die blickt, wie die todte Liebe, 0 So weh mich an und so bleich. Mich faßt ein unendliches Trauern, 0 Daß Jugend und Liebe vorbei – Hoch über zerborstenen Mauern 0 Durchschreit’ ich die öde Bastei. Da rauscht aus den Mauerringen 0 Ein Adler über das Land Und schüttet den Schutt aus den Schwingen 0 Auf die Rose in meiner Hand. Ernst Ziel.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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