Hans Hemmling

G Gustav Schwab
0 Altın Yaprak
Hans Hemmling. 1. Aus Brügge reitet im Niederland Ein königlicher Held, Er ist der kühne Karl genannt, Ihm steht kein Feind im Feld. Sein Auge schwarz und schlummerlos Schießt in die Ferne weit, Es sucht in der Alpen Riesenschoos Des frei’sten Volkes Streit. Es glänzt sein Leibrock purpurroth Von Edelstein und Gold, Zög’ ihm den Einer ab im Tod, Der hätte reichen Sold! Doch legt darum sein Panzer sich Mit undurchdrung’ner Wehr, Zehntausend Lanzen fürchterlich Sie starren um ihn her. Der Fürsten und der Grafen Schaar Umringt ihn hoch zu Pferd, Und eines jeden Haupt fürwahr Ist einer Krone werth. Nicht seines Gleichen hat das Heer An Zahl und Herrlichkeit, Es wogt an Glanz und Trotz ein Meer, Strömt über weit und breit. Und wie des Herzogs Roß sich bäumt, Alle Rosse steigen in Lust, Und wie sein Herz von Siegen träumt, Glüht aller Ritter Brust. Der prüft sein Schwert, der schwingt mit Macht Das Banner im Morgenwind, Mit seines stählernen Kleides Pracht Blitzt der die Augen blind. So wallt vorüber mit leichtem Flug In Gold und Stahl das Heer, Noch Einer reitet im letzten Zug Den drückt kein Panzer schwer. Und in der Hand kein Schwert ihm blitzt, Der Waffen ist er baar, Und statt des Helms die Mütze sitzt In seinem schlichten Haar. Doch schweift sein Blick so frei und hell Wohl über den ganzen Schwarm, Es wohnt in seinem Aug’ ein Quell Von farbigem Leben warm. Er sieht sich die Gestalten an, Als wären sie sein zumeist, Was er geschaut, in hellem Wahn Lebt’s fort in seinem Geist. Und hättest du gefragt den Herrn, Den Herzog von Burgund: Wer reitet dir dort im Heere fern? Gesprochen hätte sein Mund: „Ein kunstbegabter Meister ist’s, Er tauget nicht zur Schlacht, Doch hab’ ich gesiegt mit Hülfe Christ’s, So dient er meiner Pracht. So dient er mir zu Ruhm und Ehr’, So glänzt an meiner Wand Der Feinde Tod, mein mähend Heer, Mein Sieg, von seiner Hand.“ – Und hättest du dann geschaut hinein Tief in des Meisters Brust: O was für wonniger Farben Schein, Aufstrahlte dort in Lust! Doch ist es nicht der wilde Krieg, Der kümmert wenig ihn! Doch ist es nicht des Herzogs Sieg, Den sein Geist läßt erblühn. Ein and’res Leben entfaltet sich Aus dieses Heeres Glanz, Ein ander Bild strahlt königlich Geziert mit and’rem Kranz. Er trägt in seiner Brust die Welt, Die Keiner noch geschaut, Der als ein nied’rer Erdenheld Der Erdengröße vertraut. Hans Hemmling ist’s, der Maler gut, An sel’gen Bildern reich; Die Andern schauen im Geiste Blut, Und hören des Schwertes Streich. Sie treiben die Pferde mit wildem Sporn, Sie jagen durch Saat und Flur, Der kühne Herzog reitet vorn, Sie folgen alle der Spur. 2. Zu Brügg’ um Thor und Mauer Da schweigt der Tag wie die stille Nacht, Da hat so finst’re Trauer Der lange, blutige Krieg gebracht. Viel Ritter sind gesunken In der Berge Schlucht, in dem kalten Schnee, Viel Rosse haben getrunken Von der kühlen Fluth im tiefsten See. Es ritt durch Tag und Nächte Der Herzog auf seiner ersten Flucht, Dann hub er die wunde Rechte Und prüft’ auf’s neue des Schwertes Wucht. Und ist auf’s neue gezogen Hinaus, zu rächen des Heeres Schmach, Und kommt kein Bote geflogen? Und sagt das Volk nicht die Kunde nach? Und kehrt sich nicht die Trauer In Siegesruf und Freudengelag? Der Wächter von der Mauer Er spähet hinaus den langen Tag. Da pocht zur Abendstunde Zuletzt an’s Thor ein kranker Knecht; Es schleicht sein Fuß, von der Wunde, Von der Flucht in’s ferne Land geschwächt. Die Lumpen, die ihn decken, Verkünden Jammer und eitel Noth, Die Glieder lähmt der Schrecken, Im Antlitz wohnt der blasse Tod. „O Bote, voll des Leides!“ Der Wächter von der Zinne schalt, „Das Heer vergaß des Eides, Fluch über deine Jammergestalt!“ „„Mein Amt war nicht zu schlagen,““ Sprach d’rauf der Mann mit Herzeleid, „„Doch kann ich zeugen und sagen, Sie liegen Alle, getreu dem Eid.““ „So sprich, die vierzig Tausend? Sie mähet’ alle der wilde Sturm?“ „„Ja nieder warf er sie brausend, Vor des Schweizers Speer und vor Nancy’s Thurm.““ „Weh mir! so mußt’ erbleichen Der Purpurrock des kühnsten Herrn?“ „„Der hängt als Siegeszeichen Schon lang im hohen Münster zu Bern.““ „Den Herzog – hat ihn gerettet Sein rabenschwarzes schnelles Pferd?“ – „„Das liegt im Eise gebettet, Das stolze Haupt zur Tiefe gekehrt.““ „Wo ward der Herr gefunden? O Knecht, so sprich! hast du kein Ohr?“ „„Mich schmerzen meine Wunden, Mach auf, mach auf, du Wächter, das Thor!““ 3. Es lag der arme kranke Knecht Im milden Haus geborgen, Lang sprach er irre von Mordgefecht, Vom letzten, blut’gen Morgen. Er sah im wachen Traum die Noth, Den Schwarm der Feinde, der Raben, Die Banner gesunken, die Edlen todt, Den Herrn im Eis begraben. Bis daß ein Schlummer lang und tief Sich seiner Qual erbarmte, Und was in ihm von Leben schlief, In Ruhe lind erwarmte. Jetzt hebt sein Auge leuchtend sich, Auf springt er von dem Bette, Es fragt der Fremdling freudiglich Nach Pinsel und Palette. Die Diener sprechen: „Krankheitswahn Hat ihm den Sinn verstöret!“ Sie seh’n einander fragend an, Sie bringen, was er begehret. „Nein Freunde, spricht er, es ist kein Traum! Gönnt mir das muthige Streben! Was ich erlebt, das war nur Schaum, Jetzt naht das wahre Leben!“ Und auf das öde Tuch mit Macht, Mit kühnen Pinselstrichen, Verbreitet er der Farben Pracht, Die heut noch nicht verblichen. Hans Hemmling! tönt’s im Hospital, Hans Hemmling! auf den Gassen, Mit Bürgern füllet sich der Saal, Sie können das Glück nicht fassen. „Das Heil will wieder mit uns seyn, Nicht alles ist verloren! Die Ehre stellet sich wieder ein In unsern schwarzen Thoren.“ Der Meister lächelt selig, still, Fährt fort und fort zu malen, Und immer größ’re Wonne will Aus seinem Bilde strahlen. Von fernen Burgen führt er her Die Kön’ge mit Geleite, Doch nicht mit wildem Kriegesheer Zu unheilvollem Streite. Sie alle treibt ein frommer Muth, Nicht Feindschaft, die sich brüstet, Der Kleider hohe Farbengluth Hat nicht der Stolz gerüstet. Die Demuth wölbt den grauen Bau, Legt in die Krippe den Knaben, Und setzt zu ihm die sel’ge Frau, Und reicht ihm dar die Gaben. Und Gottes Friede schwebet mild Um die geweihte Stätte, Der Meister steht vor seinem Bild Mit dankendem Gebete. Das ist der Herr, das ist der Held, In dessen Dienst er lebet, Das ist die heilige Wunderwelt, Die stets sein Aug’ umschwebet. Es zückt die Kraft ihm durch die Hand, Er wird in vielen Bildern Das überird’sche Vaterland, Das höchste Leben schildern. Und Meer und Ström’ und Berg und Thal, Was Herrlich’s er gesehen, Verklärt von seines Pinsels Strahl Wird alles auferstehen. In tausend Zügen wird er licht Der Menschheit Bild uns malen, Und in Ein göttlich Angesicht Vereinen alle Strahlen. So schafft der Meister zu Gottes Ehr’, Es leuchten seine Werke, Wo blieb der Herzog und sein Heer? Der Stolz, der Glanz, die Stärke? Hinunter muß der Erde Pracht In düstern Grabeshügel, Das Aechte rettet aus der Nacht Die Kunst auf ew’gem Flügel.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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