Der Tambourmajor

H Heinrich Heine Heinrich Heine
0 Altın Yaprak
VII. Der Tambourmajor. Das ist der alte Tambourmajor, Wie ist er jetzt herunter! Zur Kaiserzeit stand er in Flor, Da war er glücklich und munter. Er balanzirte den großen Stock, Mit lachendem Gesichte; Die silbernen Tressen auf seinem Rock, Die glänzten im Sonnenlichte. Wenn er mit Trommelwirbelschall Einzog in Städten und Städtchen, Da schlug das Herz im Wiederhall Den Weibern und den Mädchen. Er kam und sah und siegte leicht, Wohl über alle Schönen; Sein schwarzer Schnurbart wurde feucht Von deutschen Frauenthränen. Wir mußten es dulden! In jedem Land, Wo die fremden Eroberer kamen, Der Kaiser die Herren überwand, Der Tambourmajor die Damen. Wir haben lange getragen das Leid, Geduldig wie deutsche Eichen, Bis endlich die hohe Obrigkeit Uns gab das Befreyungszeichen. Wie in der Kampfbahn der Auerochs Erhuben wir unsere Hörner, Entledigten uns des fränkischen Jochs Und sangen die Lieder von Körner. Entsetzliche Verse! Sie klangen ins Oh’r Gar schauderhaft den Tyrannen! Der Kaiser und die Tambourmajor, Sie flohen erschrocken von dannen. Sie ärndteten beide den Sündenlohn Und nahmen ein schlechtes Ende. Es fiel der Kaiser Napoleon Den Britten in die Hände. Wohl auf der Insel Sankt-Helena, Sie marterten ihn gar schändlich; Am Magenkrebse starb er da Nach langen Leiden endlich. Der Tambourmajor, er ward entsetzt Gleichfalls von seiner Stelle. Um nicht zu verhungern dient er jetzt Als Hausknecht in unserm Hotele. Er heitzt den Ofen, er fegt den Topf, Muß Holz und Wasser schleppen. Mit seinem wackelnd greisen Kopf Keucht er herauf die Treppen. Wenn mich der Fritz besucht, so kann Er nicht den Spaß sich versagen, Den drollig schlotternd langen Mann Zu nergeln und zu plagen. Laß ab mit Spötteley’n, o Fritz! Es ziemt Germania’s Söhnen Wohl nimmermehr mit schlechtem Witz Gefallene Größe zu höhnen. Du solltest mit Pietät, mich däucht, Behandeln solche Leute; Der Alte ist dein Vater vielleicht Von mütterlicher Seite.

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Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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