Radbod (Kämpchen)

H Heinrich Kämpchen
0 Altın Yaprak
(Ein Nachtstück.) Dräuend, ein Ungetüm, Reckt der Schachtturm seine Eisenstirn Zum Nachthimmel. – Um ihm, von ihm Glimmt’s wie Totenlicht, Wie Phosphorgefunkel, Wie Dunst der Verwesung. – Ein Beinhaus - riesig, ungeheuer – (Sarkophag und Mausoleum) Liegt der Schacht da, Und die Nacht hockt darauf. – Sie, die Nacht, Wittert den Leichenduft, Der daraus emporsteigt, Feucht, nebelhaft, Wie die Hyäne den Grabesodem, Und schlürft ihn mit Wollust. – Radbod und Nacht! – Grauen zu Grauen, Sie gatten sich. – Und die Fäule im Erdbauch, Als Genossin sich zugesellend, Speit ihren Gifthauch Aus Kluft und Spalt – Odeur für Gespenster. – Aber das ist es nicht, Was die Nacht birgt Mit ihrem Mantel, Dem dichten. – Sie, die da unten liegen, Unter Trümmern und Schutt, Die Toten von Radbod, Sind doch nicht tot! – Wenn der Tag schläft, Wenn die Nacht brütet, Bei Schweigen und Oede Werden die Stimmen der Tiefe wach, Leben die Toten. – Sie winseln und wimmern nicht, Sie klagen und jammern nicht, Sie heischen Gericht, Sie fordern Sühne. – Und immer neu Und immer wieder, So lange ihr säumet, Wird aus der Tiefe Die Mahnung kommen: Gebt Recht den Toten! – – – – – – – – – – – – So ruft es heute, So wird es immer In Zukunft rufen, Wenn auf dem Schachte, Dem gottverfluchten, Dem „Mörder“ Radbod, Die Nacht sich lagert, Die graue Riesin: Gebt Recht den Toten! –

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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