Hutten in Rom

J Johannes Proelß
0 Altın Yaprak
Es sprach zum jungen Hutten Herr Eitelwolf vom Stein: „Dir weiß ich neue Waffen, Ein andrer Ruhm sei Dein Als mit dem Schwert in Händen Zu messen Deine Kraft – Jetzt fordert tapfre Kämpen Die Wissenschaft. Horch, wie so mächtig rauschet Der Bildung frischer Quell! Wie strahlt die Morgenröte Der neuen Zeit so hell! Tauch’ Deine junge Seele In diese Flut nur dreist, Und geh’ hervor als Ritter Vom freien Geist!“ Drauf der gelehrte Burgherr Den Jüngling unterwies – Nicht wie man Schädel spaltet, Auf Gegner führt den Spieß, Nein, wie Latein und Griechisch Man lernet wohlbedacht, Wie man erkämpft voll Eifer Des Wissens Macht. Der Schüler war gelehrig … Zwar ließ er nicht vom Schwert, Doch hielt als Waffe höher Er seine Feder wert. Mit scharfen Epigrammen Von klassischem Latein Ins Heer der Obskuranten Wie fuhr er drein! Im Lederwams des Ritters Ein fahrender Scholar – An manchem Musenhochsitz Er nun zu Gaste war. In Platos lichte Weisheit Ward er da eingeführt – Hat elegant auf griechisch Jetzt disputiert. Dann aber zog’s ihn mächtig Zur Stätte höchsten Ruhms, Nach Rom, der stolzen Wiege Des Humanistentums. Erlauchte Professoren Verhießen ihre Gunst, Hier wollt’ er Meister werden In seiner Kunst. Doch wo einst Deutschlands Fürsten Zum Kaiser man gekrönt, Hört’ er den deutschen Namen, Sein Vaterland verhöhnt, Sah er die Ablaßgelder, In Deutschland aufgebracht, Verprassen und die Spender Noch schnöd’ verlacht. Und jäh stieg ihm zur Stirne Das heiße Blut empor, Als Kaiser Max, der treue, Umsonst den Sieg beschwor, Als er vor Frankreichs Heeren Die Waffen strecken hieß, Weil ihn des Reiches Hilfe Im Stiche ließ. Da hielt es ihn nicht länger, Er wollte heim im Flug. Auf einem Ritt sein Rappe Ihn bis Viterbo trug. In seiner Seele klangen Kernworte, wild und stark, Die Deutschen zu ermannen In Geist und Mark. Doch aus der Herberg scholl ihm Entgegen andrer Klang, Französische Gesandte In Siegesüberschwang, Die saßen lustig tafelnd Gar protzig im Gemach, Berauschend sich beim Weine An Deutschlands Schmach. Sie achten nicht des Gastes Im Lederkoller schlicht, Sie sehen nicht, welch Feuer Aus seinen Augen bricht. Sie prahlen und sie lästern Laut weiter, frech und frank … Da greift ans Schwert Herr Hutten, Da zieht er blank. Es hatte lang’ gefeiert Der alterprobte Stahl, Nun springt hervor er flammend Als wie ein Wetterstrahl … „Genug, Ihr Herr’n, der Worte! Es gilt – setzt Euch zur Wehr! Ich bin ein deutscher Ritter – Hie Deutschlands Ehr’!“ Sie lachen … „Der – ein Ritter? … Hallo – er meint es ernst! … Gieb Raum, zieh’ ab in Frieden, Eh’ Du uns kennenlernst!“ Da auf den ersten nieder Herrn Ulrichs Klinge saust Und streckt ihn jäh zu Boden … Den andern graust. Es giebt der Zorn den Hieben Des Ritters grimme Wucht, Noch trifft sein Schwert den zweiten. Doch schon auf heller Flucht … Er aber senkt die Waffe Und blickt sie liebreich an. „Gelt, das war deutsch geredet? … So nun fortan! …“ Als dann im Heimatlande Der Geisteskampf entbrannt, Und Hutten kühn sein Denken In Lied und Schrift bekannt, Da hat sein höchstes Meinen Er schlicht auf deutsch gesagt, Deutsch klang hinfort sein Wahlspruch: „Ich hab’s gewagt!“ Johannes Proelß.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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