Maimorgengang

J Joseph Victor von Scheffel
0 Altın Yaprak
So die bluomen ûz dem grase dringent, same sie lachen gegen der spilnden sunnen in eime meien an dem morgen fruo, und diu kleinen vogellîn wol singent in ir besten wîse die sie kunnen, waz wünne mac sich da genôzen zuo? ez ist wol halb ein himelrîche. Walther von der Vogelweide. Maimorgengang, o still Entzücken: Der Aether strahlt im reinsten Blau Und bräutlich will der Wald sich schmücken Mit zartem Grün und Silberthau. Mit weichem träumerischem Schläfern Strömt rings ein lauer Frühlingsduft, und mit den Faltern und den Käfern Durchfliegt ein Blüthenschnee die Luft; Die Halden blühn, die jüngst noch dorrten: Sieh! es ist Alles neu geworden. Erneut im Licht! so will’s des Lebens Gesetz, das allen Stoff durchkreist, Ahriman’s Winter droh’n vergebens, Der Sieg verbleibt dem guten Geist. Sein weltverjüngend Maienwunder Weckt Saft und Farbe, Ton und Klang, Drum schallt von allen Wipfeln munter Der Nachtigallen Lobgesang. Sie jubeln feiner denn in Worten: Sieh! es ist Alles neu geworden. Im Kies verstrüppter Uferdämme Schleicht heut mein Pfad feldaus waldein, Da spiegeln wilde Birnbaumstämme Mit Ulm und Esche sich im Rhein. Auch ihn erfreun des Maien Wonnen, Sein Schuppenvolk taucht wohlig vor, Der Aal kommt schlängelnd sich zu sonnen, Lautplätschernd schnalzt der Hecht empor, Und murmelnd trägt’s die Fluth gen Norden: Sieh! es ist Alles neu geworden. Gekränktes Herz, wozu dein Härmen? Streif’ ab den fleckendunkeln Rost, Laß Dich von diesen Lüften wärmen und schöpf’ aus dieser Landschaft Trost: Kein Leid, kein Groll darf allzeit dauern, Es kommt der Tag, da Alles grünt, Da Kränkung, Schuld und herbes Trauern In goldner Sonne Strahl sich sühnt. Auch im Gemüth, wie allerorten, Sieh! ist dann Alles neu geworden. Und ruht im kühlen Schooß der Erde Von allem Schmerz Dein sterblich Theil, Getrost, getrost! ein kräftig „Werde!“ Beruft Dich einst zu bess’rem Heil. Aus ird’schen Stoffs und Grams Verzehrung Reift unsichtbar ein frischer Keim, Den eines andern Mai Verklärung Zur Blüthe bringt in anderm Heim. Dort rauscht’s in höheren Accorden: Sieh! es ist Alles neu geworden.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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