Die Geister von Aenglistal

O Otto Ernst
0 Altın Yaprak
Im Aenglistal war Sonn' und Freud'; Bei Last und Arbeit lachten die Leut'; Wenn der Sämann ging, wenn die Sichel klang, Aus Schollen und Schwaden strömte Gesang. O liebe Geister von Aenglistal! Das macht': es hausten in Busch und Baum, Um Sagenbrunnen, im Höhlenraum, Auf Birkenhügeln, am Wiesenrain Von Morgenahnen bis Mondenschein Die holden Geister von Aenglistal. Sie neckten die Mägde mit streichelndem Halm Und pfiffen und geigten Liedel und Psalm; Sie streuten den Knechten Blüten ins Mahl Und sangen dazu den frömmsten Choral, Die lustigen Geister von Aenglistal. Die Rößlein gingen mit tanzendem Schritt; Die Pflugschar lachte, wenn sie schnitt; Die Sense sauste mit singendem Klang; Ein Leuchten und Jauchzen das Tal entlang! O gute Geister von Aenglistal! Dreimal am Tage milchte die Kuh; Drei Ernten reiften im Jahre zu. Die Zweige brachen von goldner Frucht; Die Scheunen sprengte des Kornes Wucht. Das machten die Geister von Aenglistal. Einst war ein Herr von Aenglistal, Dem deuchten die Ernten viel zu schmal. „Ihr faules Gesinde! Ihr albernen Gäuch! Das Kichern und Johlen vertreib ich euch!“ O weh, ihr Geister von Aenglistal! Die Geisterchen sangen im Abendtraum — Da blinkt ein lauerndes Rohr im Baum — Ein Schuß! Da schwirrten sie alle fort, Wer weiß, wie weit und an welchen Ort! Ach, liebe Geister von Aenglistal! — Ein nachtumhangener Felsensaal, Ein Meer von Stein ist Aenglistal, Wo nur der Sturz der Felsen schallt; Sein letztes Lied ist längst verhallt. Wo seid ihr, Geister von Aenglistal?

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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