Die Worte des Engels

R Reiner Marie Rilke Reiner Marie Rilke
0 Altın Yaprak
Verkündigung Die Worte des Engels Du bist nicht näher an Gott als wir; wir sind ihm alle weit. Aber wunderbar sind Dir die Hände benedeit. So reifen sie bei keiner Frau, so schimmernd aus dem Saum: ich bin der Tag, ich bin der Thau, Du aber bist der Baum. Ich bin jetzt matt, mein Weg war weit, vergib mir, ich vergaß was er, der groß in Goldgeschmeid wie in der Sonne saß, Dir künden ließ, Du Sinnende, (verwirrt hat mich der Raum). Sieh: Ich bin das Beginnende, Du aber bist der Baum. Ich spannte meine Schwingen aus und wurde seltsam weit; jetzt überfließt Dein kleines Haus von meinem großen Kleid. Und dennoch bist Du so allein wie nie und schaust mich kaum; das macht: Ich bin ein Hauch im Hain, Du aber bist der Baum. Die Engel alle bangen so, lassen einander los: noch nie war das Verlangen so, so ungewiß und groß. Vielleicht, dass etwas bald geschieht, das Du im Traum begreifst. Gegrüßt sei, meine Seele sieht: Du bist bereit und reifst. Du bist ein großes, hohes Tor, und aufgehn wirst Du bald. Du, meines Liedes liebstes Ohr, jetzt fühle ich: Mein Wort verlor sich in Dir wie im Wald. So kam ich und vollendete Dir tausendeinen Traum. Gott sah mich an; er blendete … Du aber bist der Baum.

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Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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