Vigilien

R Reiner Marie Rilke Reiner Marie Rilke
0 Altın Yaprak
I Die falben Felder schlafen schon, mein Herz nur wacht allein; der Abend refft im Hafen schon sein rotes Segel ein. Traumselige Vigilie! Jetzt wallt die Nacht durchs Land; der Mond, die weiße Lilie, blüht auf in ihrer Hand. II Am offnen Stubenfenster lehn ich und träume in die Nacht hinauf; das Mondlicht windet silbersträhnig sich um den schwarzen Kirchturmknauf. Sehn wenig Welten aus den Fernen auch durch den engen Hof ins Haus, – es füllte Licht von zehen Sternen ein ganzes, dunkles Leben aus. III Horch, der Schritt der Nacht erstirbt in der weiten Stille; meine Schreibtischlampe zirpt leis wie eine Grille. Goldig auf dem Bücherstand glühn der Bände Rücken: zu der Fahrt ins Feenland Pfeiler für die Brücken. IV Sie hat, halb Kind, einst eine Nacht beim toten Mütterlein verbracht und hat geweint und hat gewacht; – dann gingen Jahre, Jahre sacht: nie hat sie jener Nacht gedacht. Und dann kam eine andre Nacht. Da hat von Glut und Sünd entfacht die rote Lippe Lust gelacht, doch plötzlich – wie durch höhre Macht dacht sie der Nacht der Leichenwacht.

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Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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