Das Jahr – ein Leben

R Rudolf Lavant
0 Altın Yaprak
Die Lüfte lau, der Himmel blau, Der Bach befreit vom Eise, Und aus dem Wald vernimmst du bald Des Kukuks traute Weise! Die Schwalbe kehrt zum alten Herd, Die Veilchen blühn am Raine; Die Lerche schwirrt, der Falter irrt Durch knospenreiche Haine, Und freudig schaun und voll Vertraun Vor uns die Bahn wir offen; War auch dein Herz voll Gram und Schmerz – Der Lenz bringt neues Hoffen! Vom Sonnenbrand gebräunt die Hand, Die Stirn bedeckt von Tropfen, Hörst du sodann im tiefen Tann Der Spechte fernes Klopfen; Vom Staub beweht am Wege steht In Mittagsgluth die Weide – Den langen Tag klingt Wachtelschlag Aus wogendem Getreide. Ein Wetter droht; vom Blitz umloht Mußt du die Garben raffen; Wem sich in Kraft der Arm noch strafft, Der soll im Sommer schaffen! In bunte Tracht, in stille Pracht Hat sich der Wald gekleidet; Geschaart zum Zug für langen Flug, Das Heer der Sänger scheidet. Die Traube reift; vom Stengel streift Der Herbst die letzte Rose Und seltsam fahl im Wiesenthal Blüht nun die Herbstzeitlose. Die Halmenflur zeigt Stoppeln nur, Die Herbsteswinde klagen; Es mag mit Grund dein ernster Mund Nun nach der Ernte fragen. Dann weit und breit das Land verschneit, Gehüllt in Nebelschichten; Von Frost erstarrt, das Hochwild scharrt Nach Moos am Fuß der Fichten. Ein Blumenflor schoß Nachts empor An deines Fensters Scheiben; Der rasche Fluß, der blaue, muß Verdrossen Schollen treiben. Der Sturm pfeift schrill – sonst Alles still, Die Welt versank in Schweigen; Nun magst auch du das Haupt zur Ruh’, Zur wohlverdienten neigen.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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