Der Tag des Gerichts

R Rudolf Lavant
0 Altın Yaprak
Die grauen Nebelschwaden sind verflogen, Roth flammt’s im Osten und der Tag erwacht, Und schweigend hat und düster hat vollzogen Der Aufmarsch sich für die Entscheidungsschlacht. Zu schwarzen Massen formten sich die Heere, Aufzuckt zuweilen heller Waffenschein Und wie ein leises Klirren der Gewehre Läuft’s fort und fort durch festgeschloss‘ne Reih’n. Gewißheit ward das unbestimmte Ahnen: Die Würfel fallen, eh‘ der Tag entwich, Und freudig rauschend blähen schon die Fahnen Der alten trotz’gen Bataillone sich. Beklemmend fast war der Erwartung Stille, Doch sie gebar den männlichen Entschluß; Unbeugsam ward und eisern ward der Wille, Daß es ein Tag des Sieges werden muß. ― Ein Tag des Siegs, wie keinen wir gesehen, Ein Tag des Unheils für der Dränger Schwarm, Ein Erntetag, um den die Kinder flehen, Frühreifen Sinnes, in der Mutter Arm, Ein Tag des Zorns, an dem es blitzt und wettert, Ein Freudentag des ringenden Geschlechts, Ein Rachetag, der Alles niederschmettert Ein Ehrentag der Wahrheit und des Rechts. Was führt und hält den bunten Troß zusammen, Auf den sie drüben all ihr Hoffen bau’n? Sie suchen ihn zum Kämpfen zu entflammen Durch alten Haß und neues tiefes Grau’n. Unfähig ist der männlichen Gedanken, Von Schuld bedrückt, das fiebernde Gehirn; ‚s ist ihnen schwül und ihre Kniee wanken Und kalter Angstschweiß perlt auf ihrer Stirn. Dem Kampf voraus ging ein gemeiner Schacher ― Man hat sich nur mit Vorbehalt getraut; Man sah im Freund zugleich den Widersacher, Der über’s Ohr gelegentlich uns haut. Und dieser Troß, er wagt’s, mit uns zu ringen Vom Fuß der Alpen bis zum Dünensand! Er will auf’s Knie das Volk der Arbeit zwingen, Das dem Varziner siegreich widerstand! Es kann sie nur an alte Prügel mahnen Das schwere Wetter, das von ferne grollt; Sie sind besiegt, bevor sie ihre Fahnen, Des Wuchers Fahnen, prahlend noch entrollt; Das Kreuzheer ficht mit fluchbeladnen Waffen, Die raschen Griffs des Volkes Faust zerbricht; Mit solchem Troß besiegen Bismarcks Affen Der Arbeit stolze Bataillone nicht! Wir sind die Kraft, die Wahrheit und das Leben, Wir halten standhaft unsern Fahneneid; Ihr aber seid in unsre Hand gegeben, Weil ihr die Lüge und die Fäulnis seid. Jagd nur heran, ihr sturmgepeitschten Wellen! Ihr werdet hilflos an dem schwarzen Fels Zu Schaumgeflock zerschmettert und zerschellen Am Unheilstag von Jena des Kartells! R. Lavant.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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