Eherne Maiglocken

R Rudolf Lavant
0 Altın Yaprak
Wir fordern nicht bloß den Achtstundentag, der kommen wird, wann er auch kommen mag, ob willig nun, ob murrend nur beschieden: Von Millionen rollt am Ersten Mai empor zum Himmel der Erlösungsschrei nach Völkerfreiheit und nach Völkerfrieden. Ein Bild des Wahnsinns bietet sich uns jetzt: Ein Volk aufs andere rücksichtslos gehetzt, Erdteil auf Erdteil, Rasse wider Rasse. Vergessen ist, was einigt und versöhnt, Und an der Wende des Jahrhunderts frönt der Herrschsucht man, der Habgier und dem Hasse. Und dabei rufen sie – es klingt wie Spott! – Allah und Wischnu und den Christengott inbrünstig an mit jedem Tag der Weihe, daß er entsende seiner Engel Schwarm, daß er den starken, den Zerschmettrerarm dem blutgen Siege und der Plündrung leihe! Solang sich diesem grauenhaften Bann die Menschheit nicht entschwinden will noch kann, sind wir ein Haufe von Verbrechergilden, von zügellosen Räuberbanden nur; wir haben keinen Anspruch auf Kultur, und besser sind und höher stehn die Wilden. So kann’s nicht bleiben, doch von wannen kommt die Hilfe einst, die Rettung, die uns frommt, wer bricht den Bann der Habgier und des Bösen? Das Volk allein, das alle Opfer bringt, das Volk allein, das blutet, darbt und ringt, wird von dem finster Unsinn uns erlösen. Wenn erst das Volk, das ihr so lange zwangt, zum Vollbewußtsein seiner Kraft gelangt und seiner Sendung – wer will widerstehen? Laut wird die Tiefe, die so lange schwieg, wir aber wollen diesen Zukunftssieg im voraus schon am Ersten Mai begehen!

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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