Frühling (Lavant)

R Rudolf Lavant
0 Altın Yaprak
Erwartungsvoll, ob schon die Amsel pfeife, Ob nach dem Regen Grün hervorgekommen, Hab’ ich gemächlich schlendernd eine Streife Im kahlen Laubwald einsam vorgenommen. Ich sah ihn kürzlich noch in Schnee und Eise, Als rauh daher von Nord die Winde fuhren: Nun träumt’ er noch und athmete noch leise, Doch überall fand ich des Frühlings Spuren. In alle Zweige war der Saft gestiegen, Man sah, daß Blättchen in den Knospen schliefen; Es schien ein röthlich-warmer Ton zu liegen Auf all’ den Stämmen in des Waldes Tiefen; Es grüßte mich herüber aus den Auen Das matte Gelb, das freundliche, der Weide Und jeder Busch am Wasser war zu schauen Voll silbergrauer Kätzchen, weich wie Seide. Und da und dort hob aus dem dunklen Grunde Bescheiden sich des Schnees Sterbeglöckchen Und grüßte lieb und schüchtern in die Runde In seinem weißen, grüngestreiften Röckchen; Und daß im stillen, wintermüden Reiche Auch nicht der Klang, auch nicht die Stimme fehle, Sang in dem höchsten Wipfel einer Eiche Ein Vogel, weiß von Brust und weiß von Kehle. Er saß so recht im warmen Sonnenscheine Auf schwankem Aestchen, mit den kleinen Füßen Es fest umklammernd, und der tapfre Kleine Schien mir den Frühling jubelnd zu begrüßen. Ihm war vor Wintersturm und Wintergrimme Beim warmen Sonnenkuß nicht länger bange Und immer heller, lauter ward die Stimme, Und seiner schlichten Weise lauscht’ ich lange. Und als ich heimwärts schritt im Abendgrauen, Verloren sich von meiner Stirn die Falten. Ich sagte mir: „Ist wenig auch zu schauen ― Der Lenz ist dennoch nicht mehr aufzuhalten! Sieghaft und glorreich wird es sich vollenden, Das jetzt beginnt, das Knospen und das Sprießen, Bis die belaubten Kronen aller Enden Zu grünem Dome sich zusammenschließen.“ Und rastlos weiter hab’ ich dann gesonnen: „Bis Frühlingsanfang sind auch wir gediehen. Der große Völkerlenz ― er hat begonnen Und sieghaft, glorreich wird er sich vollziehen; Denn Grimm und Tücke wird an ihm zu Schanden; Wie sie sich stemmen auch ― wir werden’s zwingen Und in gewalt’gem Chor in allen Landen Das Hohelied des Rechts, der Freiheit singen!“ R.L.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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