Wanderträume

R Rudolf Lavant
0 金叶
O Wahn, man werde, grau geworden, In Frieden nicht zur Ruhe gehn, Wenn nicht der Blick in Süd und Norden Die Wunder dieser Welt gesehn, Wenn man die Berge nicht erklommen, Auf deren Grat die Wolke ruht, Und nicht an Schiffesbord durchschwommen Die blaue schaumgekrönte Fluth. Einst träumt auch ich von Alpenmatten Und Wassersturz von steiler Wand, Von einem Ruhn im Palmenschatten An heißer, gelber Wüste Rand, Von halbversunknen Säulenhallen, Umkreist von trägem Geierflug, Von donnerndem Lawinenfallen Und buntem Karawanenzug. Es flog mein Traum von Schwedens Tannen Und blutigrother Nordlichtpracht Ins Halmgewoge der Savannen Und in des Urwalds grüne Nacht; Auf des Rialto Marmortreppe Verlor ich mich im bunten Troß, Und schweifte dann durch graue Steppe Und durch die Wolga schwamm mein Roß. Ich sah, umwebt vom Duft der Sagen, Die Burgen stehn am grünen Rhein, Und schlanke Minarete ragen Aus dunkelndem Olivenhain, Und von dem ewig blauen Himmel Der die Alhambra überspannt, Hab’ ich im Boulevardgewimmel Und Themsenebel mich verbannt. Ich wollte einmal nur beschleichen Den Bär im Maladettaschnee Und gehn auf Dünen und auf Deichen Am Ufersaum der Zuidersee, Ich wollte vor dem Sturme fliehen Im Kattegatt in leichter Yacht Und mit Banater Grenzern ziehen Am Donaustrand auf Schmugglerwacht. Wohl ist der Zauber nicht geschwunden, Der stille Zauber der Natur, Wie ihn in träumerischen Stunden Der scheue Knabe schon erfuhr, Doch um den Reiz der stolzen Namen, Den Reiz der Ferne ist’s geschehn, Seit die Natur im engsten Rahmen In voller Schöne ich gesehn. Was eines Menschen Werth entscheidet Ist Fülle des Erlebten nicht – Nur wie er fühlt und wie er leidet, Das macht sein Leben zum Gedicht. Vor der Natur als Gaffer stehen Ist nicht Genuß und nicht Gewinn – Mit rechten Augen sie zu sehen Weiß nur ein tiefer, stiller Sinn. Laß dich hinaus zum Walde locken Und glaube mir, er wird dir lieb Mit seinen schlichten, blauen Glocken, Mit seinem zarten Fichtentrieb. Sieh hoch im Blau auf starken Schwingen Lautlose Kreise ziehn den Weih Und höre durch das Schweigen dringen Von fern den schrillen Häherschrei. Du mußt ihn sehn im Frühlingsregen Und wenn der Sturm die Wipfel biegt, Und wenn auf den umbuschten Wegen Der matte Mondenschimmer liegt; Du mußt durchschreiten seine Tiefen, Wenn alles starrt in Winterpracht Und wenn die braunen Blätter triefen Nach nebelfeuchter Herbstesnacht. Du mußt im Spiel der Morgenlichter Ihn sehn, von Spechtgepoch durchhallt, Und mußt ihn sehn, wenn dicht und dichter Sich über ihm ein Wetter ballt. Er bietet alle Farbentöne Und jeden Schatten, jedes Licht – Versenke dich in seine Schöne Und du bedarfst der Ferne nicht.

文本来源: 公共领域档案

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