Das Kind hat keine Mutter mehr

A Albert Traeger
0 Altın Yaprak
Auch dieses Kind hat Rosenwangen, Und heiter lacht sein frischer Mund, Doch giebt ein sehnendes Verlangen Sich oft in seinem Auge kund. Es sucht, als ob ihm etwas fehle, Als laste ein Verhängniß schwer Noch unbewußt auf seiner Seele: Das Kind hat keine Mutter mehr. An ihrem Sarg hat es gesessen, Der Blumen spielend sich gefreut Und bald die Todte schon vergessen, Das Leben hat ihr Bild verstreut; Nur wenn das Kind im Schlaf geborgen, Stellt sie ein Traum verklärt ihm dar, Und froh erzählt es dann am Morgen, Daß seine Mutter bei ihm war. Du armes Kind, es schlägt die Stunde, Daß Du Dein Unglück ganz verstehst Und an der aufgeriss’nen Wunde Verblutend fast zu Grunde gehst; Dann fühlst Du, daß in Deinem Leben Die allerschönste Stelle leer, Und tief macht Dich das Wort erbeben: Ich habe keine Mutter mehr! Doch nahen einst die trüben Tage, Dann tröste ihr Gedächtniß Dich, Sie hat gefleht, daß ohne Klage Das Glück der Kindheit Dir verstrich; Als Deine Mutter Dich verlassen, Nahm sie mit sich auch Deinen Schmerz, Denn könntest Du ihn schon erfassen, Zerbrochen wär’ Dein kleines Herz. Und Alles kommt mit warmem Triebe Entgegen Dir an jedem Ort, Das ist der Heimgegang’nen Liebe – Sie wirbt für Dich bei Andern fort, Nie soll ein rauhes Wort Dich schrecken, Sie schwebt, ein Engel, um Dich her Und flüstert, Mitleid Dir zu wecken: Das Kind hat keine Mutter mehr!

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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