Die Thurbrücke bei Bischofszell

G Gustav Schwab
0 Altın Yaprak
Wer hat diesen steinernen Bogen Ueber die wilde Thur gezogen? Daß der Wand’rer die Straße lobet, Daß das Wasser vergeblich tobet? War’s ein mächtiger Fürst im Lande, Der den Strom gelegt in Bande? War’s ein Führer in Kriegestagen, Der die Brücke dem Heer geschlagen? Oder richtet für Mann und Rosse Sie der Ritter vom hohen Schlosse, Und indeß sein Haus zerfallen, Ist sein Pfad noch immer zu wallen? Nein, die Brücke, die ihr schauet, Manneswort hat sie nicht erbauet; Auf ein Wort aus des Weibes Munde Stieg sie über dem Felsengrunde. Die dort auf der Burg gehauset Hörte wie die Woge brauset, Sah den Fluß von Waldesquellen Und vom Gusse des Regens schwellen. Und den Nachen am stein’gen Lande, Der vom Strande führt zum Strande, Sah sie drüben sich drehn und wiegen: Wehe, wenn Einer hineingestiegen. Ehe gedacht sie den Gedanken, Sieht sie ihn mit zwei Wanderern schwanken, Die sie schauet, es sind in Schöne Ihre jungen, einzigen Söhne. Von dem Waidwerk heimgekehret, Finden sie den Strom empöret, Haben doch, die rüstigen Jungen, Kecklich in den Kahn sich geschwungen. Doch es lassen sich die Wellen Nicht wie Thiere des Waldes fällen, Und nicht half der Mutter Klagen, Als sie den Kahn sah umgeschlagen. Wie sie nun in langem Harme Breitet’ ihre beiden Arme Bey den Wellen, den schaumesbleichen, Ueber ihrer Kinder Leichen, Mußte sie der Mütter gedenken, Die noch können schau’n versenken In den schnell empörten Wogen Söhne, die sie sich erzogen. Und es werden im Mutterherzen Leichter ihr die bittern Schmerzen, Wenn sie Andern kann ersparen Solches Leid, wie sie’s erfahren. Und noch ehe sie ausgetrauert, Ward gemeißelt und gemauert, Ward der Strom in’s Bett gezwänget Und die hohe Brücke gesprenget. Sah sie dann oft fröhliche Knaben Ueber den Pfad von Steine traben, Und die schäumenden Wasser höhnen, Die in felsiger Tiefe tönen; Und mit leichtem Tritte wallen Mütter hinter den Kindern allen, Sieh da flossen ihre Thränen Mild von Freude, mild von Sehnen. End ihr Werk, das fromme, dauert, Aber sie hat ausgetrauert, Höret die Wasser nicht mehr toben, Ist bei den jungen Söhnen droben.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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