Die Tübinger Schloßlinde

G Gustav Schwab
0 Altın Yaprak
1. Und wie sollt’ ich dein vergessen, Du getreue Musenstadt, Die mein ganzes Herz besessen Und mich wohl gepfleget hat. Von dir singen, von dir sagen Könnt’ ich gar viel Leid und Freud’, Doch, nicht ist’s aus fernen Tagen, Ach! mir ist, als wär’s erst heut! Aber heute gieb mir Kunde Tief aus deiner alten Zeit, Als dich von dem schwäb’schen Bunde Ulrich, unser Herr, befreit. Zwar er kam in schwerem Zorne, Schlug dir ein dein zagend Schloß, Daß die Sträucher und die Dorne Standen auf den Trümmern bloß. Doch er hat es neu erbauet, Stark und fürstlich es erhöht; Blickt, ihr Enkel, auf, und schauet, Wie es noch so stattlich steht! Stolz auf seinem schlanken Renner Ritt der Herzog mitten ein, Hoher Rath der weisen Männer Zog gemächlich hinterdrein. Aus den Zellen, aus den Schenken, Dicht in Mantel und in Bart, Sah man Hut und Degen schwenken Den Studenten alter Art. Vor den Thoren vom Barette Wirft der Fürst ein Lindenreis: „Wachs’ und blüh’ an dieser Stätte Als ein Bäumlein grün und weiß!“ Keiner wagt es drauf zu treten, Frommer Boden hüllt es ein, Unter Jubeln und Gebeten Geht der Zug zur Burg hinein. 2. Als sie funfzehn Jahr gestanden, Sah’n schon alle Steine grau, Vieles hatten überstanden Fürst zumal und Fürstenbau. Denn das span’sche Kriegsgewitter War gezogen durch das Land, Doch am Thor die steinern’ Ritter Hielten unbezwung’nen Stand. Und die Linde vor den Thoren Rauschte freudiglich darein, Als von Fürstenhand erkoren, Freie Wächterin zu seyn. Rauscht’ und blühte funfzehn Jahre, Bis ein Winter wieder kam, Der den Herzog auf der Bahre Von dem treuen Schlosse nahm. Mit der welken Blätter Zittern Flüsterte sein Baum darein, Und das edle Paar von Rittern Jetzo schien es erst von Stein. Lehrer viel und Schüler wallen Durch die Straßen schleichend bang, Aus den Sälen, aus den Hallen Tönt ein frommer Sterbgesang. Doch die graue Landesveste Zeuget noch von ihrem Herrn, Hätten gleich die fremden Gäste Sie zerstöret gar zu gern . Und der Baum der blüht noch immer Seit manch hundert Sommern gut, Ziert mit grüner Zweige Schimmer Manchen freien Musenhut. Horch, sie rauscht im Abendwinde, Wandle, Herzog, durch dein Schloß, Komm’ und pflück’ von deiner Linde Einen frischen Blüthensproß!

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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