Kaiser und Patriot

L Ludwig Storch
0 Altın Yaprak
Kaiser Karl, der Herr der Franken, Sucht Italiens Gewinn; Nicht der Alpen Felsenschranken Hemmen seinen Heldensinn. Der schon lang gewohnt zu siegen In der heißen Sachsenschlacht, Führt auf ihren Wolkenstiegen Seines Heeres junge Macht. In dem blüh’nden Ländergarten, Von des Po’s Gewalt durchbraust, Wo der edlen Longobarden Ritterliche Tugend haust, Schlägt er mit den Löwenbranken Seinen Gegner in den Staub, Und dem glückgekrönten Franken Fallen Land und Volk zum Raub. Der besiegten Longobarden König Desiderius Trägt mit stillem Schmerz des harten Schicksals unverdienten Schluß. Tiefer wird die große Seele Seines Kanzlers doch betrübt, Daß der Freiheit Sonne fehle Seinem Volke, das er liebt. Und wie brünstig hat dies Lieben Stets seiner Brust gewacht! Hat mit Jünglingsgluth geschrieben, Was das Heldenvolk vollbracht! Wie Homer einst in Gedichte, Webet Paulus Warnefried Seinen alten Stamms Geschichte In ein hochbegeistert Lied. Als den Besten nennt ihn Jeder, Dessen reichbegabter Geist Wie kein Andrer mit der Feder Seiner Ahnen Größe preis’t, Ihren Ruhm der Welt zu lehren Als ihr ebenbürt’ger Sohn. Also steht in hohen Ehren Paul, der würd’ge Diakon. An der Väter großen Tagen Hängt sein schwärmerischer Blick, Darum kann er nicht ertragen Seines Volkes Mißgeschick. Seine Seele, nicht gebeuget, Stiftet kühn, geheimen Bund, Und von hehrem Muthe zeuget Herrlich sein beredter Mund. Wenn er so begeist’rungtrunken Von vollbrachten Thaten spricht, Wirft er seines Zornes Funken In der Hörer Angesicht. Wie der Knechtschaft Schmach zu rächen, Gibt er klug erdachten Rath, Und der Franken Macht zu brechen, Drängt er heiß zur Waffenthat. Aber ach, der Longobarden Alter Heldenmuth verschied. Auf Verrath nicht lange warten Darf der edle Warnefried. Ihn verdammt zu Kerkerwänden Streng das fränkische Gericht, Aber Karls Befehle senden Ihn zur düstern Buße nicht. Doch kaum ist ein Jahr verflossen, Als erlauscht der Richter Ohr, Daß mit seinen Stammgenossen Warnefried sich neu verschwor. „Den Verbrecher werft in Bande!“ Tönt der Franken grimmer Schrei. Aber von der Ketten Schande Hält der große Karl ihn frei. Warnefried wirkt ohne Wanken, Daß der Brüder Muth er weckt, Doch sein Streben wird den Franken Auch zum dritten Mal entdeckt. Und er steht vor dem Gerichte Unerschrocken, stolzen Blicks: „Nimmer meinen Sinn zu nichte Macht der Wechsel des Geschicks!“ Da zu ungezähmten Grimmes Flammen wächst der Richter Wuth, Und es lechzt ihr furchtbar schlimmes Unheil nach des Dichters Blut. Beide Augen, beide Hände Spricht ihm ab ihr Rachewort, Und so leb’ er bis zum Ende Lichtlos und verstümmelt fort! Lächelnd und mit milden Zügen Hört das Urtheil Karl und spricht: „Laßt euch an dem Spruch genügen, Doch vollzogen wird er nicht. O wo nähm’ ich andre Augen, Die so klar die Dinge sehn, Und wo Hände, die da taugen, Zu beschreiben sie so schön?“ L. Storch.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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