Großmutters Liebling

R Rudolf Lavant
0 Altın Yaprak
Wie liebst Du sie in ihres Stübchens Stille Von Deines kleinen Kinderherzens Grund Die alte Frau, mit keinem Zahn im Mund, Mit ihren Falten und der großen Brille! Ihr Haar ist dünn und weiß, ihr Auge trübe, Sie ist nicht hübsch, doch wär‘ es für Dein Herz Der erste große, namenlose Schmerz, Wenn man die Gute plötzlich Dir begrübe. Sie ist so mild, so freundlich und geduldig, Erzählt Dir Märchen ganze Stunden lang Und tröstet Dich, wenn schwer Dein Herz und bang, Weil einer kleinen Missethat Du schuldig. Jedwede Selbstsucht schwand aus ihrem Leben Und dann ― sie hat so eine liebe Art, Den letzten Pfennig, den sie sich gespart, Für ihren Liebling lächelnd hinzugeben. Sie wird Dir oft, sie wird Dir bitter fehlen, Wenn sie die treuen, müden Augen schloß ― Der Blumenduft, der Dich bei ihr umfloß, Wird oft sich noch in Deine Seele stehlen, Und oft und oft, versenkt in weiches Sinnen, Hörst klappern Du im Geist der Nadel Stahl, Hörst Du, behaglich ruhend nach dem Mahl, In einer Ecke ihre Katzen spinnen. Versuche, Kind, der Guten gleich zu werden, Wenn Du genug gejubelt und geweint Und seltsam farblos Dir und still erscheint, Was Dich umgiebt und zu Dir spricht auf Erden. Dann mag auch Dir ein Kinderauge blitzen, Es mag, wenn längst Du zahnlos und ergraut, Und matt und tonlos Deines Mundes Laut, Ein Enkelkind zu Deinen Füßen sitzen. R.L.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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