Ostermorgen (Lavant)

R Rudolf Lavant
0 Altın Yaprak
(Siehe das Bild auf der Titelseite.) Wie sie dahin in Feierkleidern wallen, Von frommen Betern ein gewalt‘ger Strom! Die Orgel braust, die Osterglocken hallen Und Haupt an Haupt erfüllt den weiten Dom. Den sie ans Kreuz auf Golgatha geschlagen Und dessen Gruft mit Wachen sie umstellt ― Er stand vom Tode auf nach dreien Tagen In Herrlichkeit ― der Heiland dieser Welt! Ein Wunder war’s. Und dennoch kann in Schweigen Vor diesem Glauben fest und unverzagt Sich auch der Sohn der neuen Zeit verneigen, Der allem Glauben längst schon abgesagt. Muß doch auch er in gläubigem Vertrauen, Von Hohn und Spott der Feinde unbewegt, Nach einer Gruft seit vielen Jahren schauen, In die den Leib der Freiheit sie gelegt. Sie kam, den Frieden in die Welt zu bringen Und ihre Rechte war von Blute rein; Man schritt entgegen ihr mit Psalmensingen Und über Palmen zog die Hehre ein. Doch nur zu bald ist sie dem Haß erlegen, Den ihre milde Größe nicht gerührt Und der auf krummen, vielgewundnen Wegen Mit arger List der Armen nachgespürt. Sie ward verrathen an der Feinde Rotte, Verleugnend hat der Freund sich abgewandt; Sie ward verhöhnt mit giftig-kaltem Spotte, Sie ward gekreuzigt von des Henkers Hand, Und als die letzten Worte sie gestammelt Als ihrer Milde schönes Unterpfand, Da war am Fuß des blut’gen Stamms versammelt Ein Häuflein nur, das treue Liebe band. Man schloß ins Grab die dorngekrönte Leiche, Die speerversehrte, wundenreiche, ein, Und daß zu ihr sich nächtlich Keiner schleiche, Wälzt vor die Gruft man einen schweren Stein. In Helm und Harnisch ziehn die ruhelosen, Die finstern Wächter um das Grab ihr Rund Und ihre schweren Hellebarden stoßen Die Söldnerfäuste klirrend auf den Grund. Und dennoch wird der Ostermorgen kommen! Da blendet sie ein wundersamer Schein Und in die Kniee sinken sie beklommen Und fortgewälzt ist von der Gruft der Stein, Und tausend Stimmen künden’s allen Landen Und jeder Brust, die Leid in Treuen trug: „Es ist die Freiheit glorreich auferstanden, Die man ans Kreuz mit blut‘gen Händen schlug!“ R.L.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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