Weihnachten (Rudolf Lavant)

R Rudolf Lavant
0 Altın Yaprak
Im warmen Prunksaal, in des Bürgers Zimmer, Das von der Sitte noch der Väter spricht ― Allüberall der Kerzen heller Schimmer, Allüberall des Christbaums frohes Licht! Und willst du heute dunkle Fenster finden, So mußt du weit, so mußt du lange gehn, Bis wo die Häuser allgemach verschwinden Und nur der Aermsten niedre Hütten stehn. Doch zürne nicht mit deiner Zeit Geschicken Und dieser Tage schmerzenreichem Lauf; Versuch’ es nur, mit hellem Aug’ zu blicken, Und hundert Kerzen gehen still dir auf, Von denen jede, jede dir verkündet: Auch in den Hütten brennt ein Weihnachtsbaum, Und was die Lichter all’ an ihm entzündet, Das ist kein leerer, trügerischer Traum. Wohl sind sie arm, wohl müssen sie sich quälen, Wohl ist ihr steter Schlafgenoß das Weh, Doch überstrahlt die Lichter in den Sälen Der wunderbare Christbaum der Idee, Die unsichtbar, unfaßbar sich verbreitet, Die wie ein Lenzhauch in die Seele dringt, Die eine schönre Zukunft uns bereitet Und Allen, Allen die Erlösung bringt. Wer all’ den Andern in des Herzens Kammern In stiller Stunde fest und tief geschaut, Der weiß, daß sie sich an das Heute klammern, Weil einem Jeden vor der Zukunft graut. Sie ahnen Alle eine Weltenwende, Die wie ein Föhn mit dumpfem Brausen kommt, Sie fühlen tief, daß nahe schon das Ende Und daß kein Beten da um Stundung frommt. Es fahren schaudernd Nachts empor vom Pfühle, Es lauschen bang und angstvoll in den Wind, Es sind die Beute quälender Gefühle, Die ohne Glaube, ohne Hoffnung sind. Wer wählte seinen Platz drum bei den Satten, Von denen nie die düstre Sorge weicht, Die selber heute, in des Christbaums Schatten, Ein finstres Ahnen fort und fort beschleicht? Nein, nur zu jenen kann ein Mann sich schlagen, Die Träumer man und Schwärmer spottend nennt, Weil eine Hoffnung sie im Herzen tragen, Die wie ein Christbaum hundertkerzig brennt; Weil nie ein Zweifel sie im Glauben störte, Den keine Macht der Erde ihnen raubt, Und weil die Zukunft stets noch dem gehörte, Der fest und muthig an sich selbst geglaubt. R.L.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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