Nach dem Maskenballe

R Rudolf Löwenstein
0 Altın Yaprak
Die Töne wirbeln in wilder Hast, Wild wirbeln die bunten Paare, Sie halten im Fluge sich fest umfaßt, Es flattern die Bänder und Haare. „Zum Tanz, mein Liebchen, was zittert Ihr? Was athmet Ihr so beklommen?“ – „Mir war, als hätt’ ich zu Seiten hier Der Mutter Stimme vernommen!“ – „Das Mütterlein schlief in sichrer Nacht, Als Ihr von dannen hüpftet, Und mit mir hinaus in die stille Nacht Zum Feste der Freude schlüpftet.“ – „Und seht Ihr nicht dort das bleiche Gesicht? Es blicket mich an mit Grimme! Fort, fort! Ihr haltet mich fürder nicht – Mich rufet der Mutter Stimme!“ Und sie stürmet hinaus, die Straßen entlang, Von Ahnung fortgerissen. Es folget ihr nach in hastigem Gang Der Geist – das böse Gewissen. Es klingt, wie ein dumpfer Grabeschor, Im Sausen des eisigen Windes Der Ruf, der schreckliche, an ihr Ohr: „Weh, weh, des verlorenen Kindes!“ Und sie tritt in’s Haus in behendem Lauf Und die Glieder beben und wanken, Doch eilt sie die dunklen Treppen hinauf In’s Gemach der geliebten Kranken. Wie matt die Lampe, wie still das Gemach! „Schläft Mütterchen?“ fragt sie mit Bangen. Die Nachbarin spricht: „schaut selber nach! Sie ist – zur Ruh gegangen.“ Da stürzt sie in jäher Seelenqual Am Bette der Mutter nieder: „O hebe nur noch ein einzig Mal Die lieben Augenlider! Nur einmal strecke noch aus die Hand, Sie auf mein Haupt zu legen! Ich kann nicht leben in Schimpf und Schand’ Und ohne der Mutter Segen! Noch einmal rege den bleichen Mund – O Mutter, habe Erbarmen, Mit einem Wörtlein thu mir kund, Daß Du verzieh’n mir Armen! Dein reuig Kind kehr’ ich zurück – Willst Du mich nicht erheben? Verlorener Segen, verlorenes Glück – Zwiefach verlorenes Leben!“ Der Morgen dämmert durch’s Fenster lind, Vergoldend der Kammer Wände. Die Nachbarin blickt auf das büßende Kind Und hebt zum Himmel die Hände: „O geh’ mit ihr nicht in’s Gericht! Weß Herz ist frei von Fehle? Erbarm’ Dich in Deiner Gnade Licht, Herr, der – verlorenen Seele!“

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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