Von drei großen Zauberern
R Rudolf Löwenstein
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Altın Yaprak
Ein großer Zaubrer ging einmal
Auf Wanderschaft durch Berg und Thal,
Trug eine Mappe in der Hand
Und einen Hut mit breitem Rand,
Von Schlangenkraut umschlungen;
Von seinen Wundern ist die Mähr
Durch’s weite, weite Land umher
Auch bis zu mir gedrungen.
Das muß doch wohl ein Zaubrer sein:
Er fängt die Sonnenstrahlen ein,
Er holt mit seinem Zauberstab
Vom Himmel Mond und Steril’ herab
Und kann die Wolken haschen.
Er greift, und macht sich nicht ’mal naß,
Den Wasserfall und steckt ihn baß
In seiner Mappe Taschen.
Ihm ist zu hoch kein Alpenschnee,
Kein Strom zu wild, zu tief kein See;
Wo er sich setzt auf grüner Flur,
Da braucht er seine Taschen nur
Ein Weilchen aufzuklappen,
Dann nimmt sein Stäbchen er geschwind,
Und Wald und Felder, Schaf und Rind –
Husch! sitzen sie in der Mappen!
Was auf der schönen Gotteswelt
An Land und Leuten ihm gefällt,
Sei es des Königs Prunkgemach,
Sei es des Bettlers niedres Dach,
Sei’s Ritter oder Knappe –
Er schwingt sein Stäbchen – Eins, Zwei, Drei –
Und fertig ist die Zauberei
Er steckt sie in die Mappe.
Der Reiter auf behendem Roß,
Im Sturmesschritt der Krieger Troß,
Der Aar in pfeilgeschwindem Zug
Sind sicher nicht im schnellsten Flug
Vor seiner Zauberklappe,
Der Hirsch im Sprunge, Schwalb’ und Spatz,
Auf hohem Dach die schwarze Katz –
Sie müssen in die Mappe.
Die Rose sammt dem Falter d’ran –
Er lockt sie mit dem Stab heran.
Die Blumen rings in Wald und Au
Mit all’ den tausend Tröpfchen Thau,
Die an den Blättern hangen,
Das Bienchen, das im Kelch sich stärkt,
Sie alle sind, eh’ sie’s bemerkt,
Vom Zauber schon gefangen.
Und wo da scherzt ein glücklich Paar –
Sein scharfer Blick nimmt gleich es wahr.
Ihr Kinder all’ mit feur’gem Blut
Und feur’gem Aug’ – seid auf der Hut,
Daß er euch nicht ertappe!
Ihr Mägdlein, hold von Angesicht –
Euch hilft kein Flieh’n, noch Sträuben nicht –
Ihr müßt in seine Mappe!
Der Zaubrer also ging einmal
Auf Wanderschaft durch Berg und Thal,
Er hatte auf seinem kurzen Gang
Gethan schon manchen guten Fang
Und wollte zur Rast sich legen.
Wollt’ träumen einen Zaubertraum,
Da kam vom nahen Waldessaum
Ein Wandrer ihm entgegen.
Der Fremdling, der des Weges kam,
Sah aus gar fremd und wundersam;
Er trug ein Büchlein in der Hand
Und einen Hut mit breitem Rand,
Von grünem Band umwunden,
Ein Sträußlein d’rauf mit Edelweiß,
Das ihm auf hoher Alm mit Fleiß
Die Sennerin gebunden.
„Grüß Gott,“ sprach er, „seid Ihr der Mann,
Der Alles schier verzaubern kann?“
Der Zaubrer spricht mit lust’gem Sinn:
„Mein lieber Fremdling, ja, ich bin
Der Herr von Licht und Schatten;
Die halbe Welt schon trag’ ich schier
In meiner Mappe – doch wer seid Ihr?
Wollt mir die Frage gestalten.“
Der Fremdling spricht und lacht dazu:
„Ich bin ein Zaubrer, just wie Du,
Wie Du zieh’ ich von Land zu Land,
Und selbst zu fernster Meere Strand
Trägt mich ein Zaubernachen,
Und zog’ zum Nordpol ich hinaus –
Wohin ich komm’, bin ich zu Haus –
Ich kenne alle Sprachen.
Ich weiß, was in der Tanne dicht
Holztäubchen mit dem Tauber spricht,
Was aus des Finken Ruf erklingt,
Was hoch im Blau die Lerche singt
Und was die Drosseln schlagen.
Was Elster und Kiebitz im Moor,
Und was der Sperling schwatzt im Rohr –
Ich kann’s genau Dir sagen!
Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv
Bu şiiri puanla
Henüz puan verilmemiş