Ein Sträußchen gefällig?

V Victor Blüthgen
0 Altın Yaprak
Streift’ ein Sonnenstrahl, ein kecker, Der in grüner Freiheit spielte, Schelmisch eine alte, dunkle, Lange, steife, würdevolle, Weihrauchsatte Kirchensäule, Und verdrießlich ward sie drob. In dem Café nazionale Saß er, saß der glaubensfeste Hirt der Heerde von Mentana Ungeschlacht mit breiten Beinen Unter Kindern dieser Welt. Von der Noth der Zeit durchdrungen, Schlürft er stumm den caffè nero, Dann und wann ein schwarzer Schluck. Sieh, da schlüpft es in die Kühle; Schlank und leichtbeweglich biegsam, Wie Lacerten um die Sitze Windet sich die Fioraja, Unter jede Nase haltend, Dick und dünne, schief’ und grade, Ein verführend duftig Sträußchen, Schäkernd, schnippisch – nun, man kennt sie. Plötzlich stutzt sie; um die Lippen Zuckt es lustig, und sie schleicht sich In den Rücken des ehrwürd’gen Braven Hirten von Mentana, Und schon rühren seine Wangen Blumenhauch und Mädchenathem: „Kauft mir’s ab, Signor curato!“ Zornig schielt er auf das Mädchen, Und er hebt den endlos langen Arm, als gält es, sich den Bösen Kräftiglich vom Ohr zu scheuchen: „Eh, diamine, va via!“ – Kichernd schlüpft die Kleine fort. Streift’ ein Sonnenstrahl, ein kecker, Der in grüner Freiheit spielte, Schelmisch eine alte, dunkle, Lange, steife, würdevolle, Weihrauchsatte Kirchensäule, Und verdrießlich ward sie drob. Victor Blüthgen.

Metnin kaynağı: Kamu malı arşiv

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